Wozu soll man heute noch in Sprachdienstleistungen investieren, wenn KI gratis übersetzt?
Marco Appel, Head of Key Account Management & Business Development:
Die Frage hören wir oft, und sie ist berechtigt. KI hat den Zugang zu Übersetzungen revolutioniert. Viele Unternehmen nutzen automatisierte Tools, weil sie schnell und kostengünstig sind und erstaunlich gut funktionieren. Besonders für interne Kommunikation oder einfache Texte kann KI eine ausreichende und zufriedenstellende Qualität bieten.
Wenn es um Botschaften zwischen den Zeilen, geschäftskritische Inhalte oder komplexe Fachtexte geht, sieht es anders aus. Denn eines galt schon immer, sowohl für den Menschen als auch für die Maschine: Wer einen Text nicht versteht, kann ihn nicht korrekt übersetzen. Dazu kommen insbesondere kulturelle Aspekte und das eigentliche Ziel jeder Übersetzung, nämlich einen Text zu erstellen, der in der Zielsprache genau die gleiche Wirkung entfaltet wie der ursprüngliche Text.
KI kann deshalb bei anspruchsvollen Texten lediglich ein erstes Rohprodukt liefern, mehr nicht. Erst die professionelle Nachbearbeitung (Post-Editing) durch Fachprofis sorgt für Sicherheit, Kontextualisierung und sprachliche Präzision. Diese Faktoren sind gerade bei hochwertigen Publikationen, auf Websites sowie in der Fach- und Marketingkommunikation zentral.
Wichtig ist, sich immer zu fragen: Welche Anforderungen haben wir als Unternehmen an diesen spezifischen Text? Manchmal ist der Fall klar, aber manchmal ist das gar nicht so einfach zu beurteilen. Im Beratungsgespräch finden wir mit unseren Kundinnen und Kunden heraus, welche KI-Mensch-Kombination am besten passt, wann sich ein überwiegend KI-basierter Ansatz anbietet und wo vor allem auf menschliche Expertise gesetzt werden sollte.
KI ist beispielsweise unschlagbar, wenn die reine Zeitersparnis im Vordergrund steht. Geht es aber um sprachliche Perfektion, führt kein Weg an menschlicher Expertise vorbei. Oft ist die optimale Lösung eine Kombination – individuell abgestimmt auf Ihre Anforderungen.
Kann man Dolmetscherinnen und Dolmetscher heute nicht einfach durch KI-Stimmen ersetzen?
Thomas Schaufelberger, Chief Quality Officer & Operations:
Wie bei der Textübersetzung gilt auch beim Dolmetschen: Technisch ist heute vieles machbar. Das birgt Chancen und Möglichkeiten.
KI kann einfache Inhalte in Echtzeit eins zu eins übersetzen – etwa bei kurzen Meetings, Webinaren oder Präsentationen. Das kann sehr nützlich sein, insbesondere wenn es um kurzfristige und/oder budgetkritische Events geht. Wenn es aber um Emotionen, Humor, fachspezifisches oder kulturelles Wissen oder um (Panel-)Diskussionen geht, stösst die KI-Lösung an ihre Grenzen.
Unsere Erfahrung mit KI-Verdolmetschung zeigt, dass eine genaue, wortwörtliche Übersetzung erzielt wird – keine Simultanverdolmetschung, wie wir es von Dolmetscherinnen und Dolmetschern gewohnt sind. Bei einer Verdolmetschung durch KI werden zum Beispiel auch unvollständige Sätze oder Wiederholungen der sprechenden Person eins zu eins übertragen, was das Hörerlebnis stark beeinträchtigt. Wenn die vortragende Person klar, deutlich, strukturiert und in moderatem Tempo spricht, wird das beste Resultat erzielt. Ein vorgängiges Training der KI-Engine kann dabei helfen, dass Eigennamen (die nicht übersetzt werden sollen) und spezifische Fachbegriffe erkannt und korrekt in die Zielsprache übertragen werden.
Aus der Praxis wissen wir, dass der Veranstaltungstyp und die Erwartungen des
(Fach-)Publikums entscheidend sind, um die passende Lösung zu finden. Deshalb bieten wir oft eine Kombination aus Technologie und menschlicher Expertise an. Mit der Syntax App für remote-basiertes Dolmetschen lassen sich erfahrene Dolmetscherinnen und Dolmetscher flexibel einsetzen – ohne vor Ort sein zu müssen. Das ist eine effiziente und starke Online-Alternative zu rein KI-basierten Lösungen.
KI gibt es überall. Warum soll ich auf die Lösungen von Syntax setzen?
Andreas Schmidt, Head of Language Technology:
Das stimmt, KI-Lösungen gibt es viele. Der Unterschied liegt jeweils im «Wie» und im «Wann». Bei Syntax erhalten Kundinnen und Kunden beispielsweise eine ganzheitliche Lösung, die auf ihre Inhalte, Prozesse und Ziele zugeschnitten ist. Wir sprechen dabei von «Managed AI».
Für jeden Kunden streben wir jeweils eine individuelle Lösung an. Dabei werden unter anderem bestehende Übersetzungsdaten, Glossare und die Schreibregeln der Unternehmenssprache (Corporate Language) berücksichtigt. Nur wenn diese Vorgaben in eine KI-Übersetzung einfliessen, können möglichst markentreue Übersetzungen erzielt werden.
Aber auch die Prozesse rund um KI sind uns wichtig: Unsere Kundschaft hat zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit, menschliche Expertise unkompliziert hinzuzuziehen, sei es zu Beginn bei einer Beratung durch unser Projektmanagement oder am Ende durch die unkomplizierte Anfrage einer Revision durch unsere Fachprofis.